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Dekubitus

Im Überblick

  • Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür. Es entsteht, wenn ein Patient zu lange in einer Position liegt oder starken Druckkräften ausgesetzt ist
  • Haut und Gewebe werden nicht genug durchblutet und sterben ab. Es bilden sich chronische Wunden
  • Die Wunden können starke Schmerzen bereiten. Sie heilen nur sehr langsam
  • Weitere Folgen sind schwere Infektionen mit Befall der Knochen und Blutvergiftung
  • Behandelt wird ein Dekubitus durch eine gezielte Wundtherapie und durch Hilfsmittel, die den Druck von der Körperstelle nehmen. Dazu gehören unter anderem Sitzkissen, Schaumstoffmatratzen, Dynamische oder Wechseldruck-Matratzen

Was ist ein Dekubitus?

Bei einem Dekubitus handelt es sich um ein lokal begrenztes Druckgeschwür. Ein Dekubitus kann entstehen, wenn ein Patient sich über einen längeren Zeitraum in derselben Position befindet und die Haut lokal starken Druckkräften ausgesetzt ist. Die Haut und das Gewebe werden dann nicht ausreichend durchblutet und können beschädigt werden.

In der Folge bilden sich chronische Wunden. Diese können starke Schmerzen bereiten und heilen oft nur sehr langsam. Weitere Folgen können schwere Infektionen mit Befall der Knochen bis hin zu einer Blutvergiftung sein. Mit gezielter Pflege und speziellen Hilfsmitteln kann ein Dekubitus heute gut behandelt und eventuell sogar verhindert werden.

Was sind die Ursachen für einen Dekubitus?

Die drei wichtigsten Faktoren für die Entstehung eines Dekubitus sind:

  1. Druck
  2. Zeit
  3. Scherkräfte

Ein Dekubitus entsteht in erster Linie durch einen anhaltenden Druck auf die Gewebefläche, wodurch es zu einer mangelnden Durchblutung im betroffenen Bereich kommt. Hierdurch erfolgt eine Unterversorgung des Gewebes mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen, wodurch die Hautzellen beschädigt werden. Mit der Zeit wird die Haut immer dünner, bis sie schließlich abstirbt.

Neben dauerhaftem, lokalem Druck sind auch sogenannte Scherkräfte für einen Dekubitus mitverantwortlich. Scherung heißt, dass sich Hautschichten gegeneinander verschieben. Das kann beispielsweise passieren, wenn Pflegekräfte die Patienten „verlagern“, also in eine andere Position bringen. Dabei können sich die Blutgefäße „verdrillen“, so dass das Blut nicht mehr gut zirkulieren kann.

Typische Körperstellen für einen Dekubitus
Typische Körperstellen für einen Dekubitus

Welche Risikofaktoren fördern einen Dekubitus?

Neben den oben genannten direkten Faktoren, die zu einem Dekubitus führen können, gibt es eine Reihe von Risikofaktoren, welche einen Dekubitus zusätzlich begünstigen. Hierzu zählen vor allem:

  • Immobilität und Bewegungseinschränkungen bspw. bei Bettlägerigkeit oder Gehbehinderungen.
  • Ein vermindertes Schmerzempfinden durch Grunderkrankungen oder Medikamente.
  • Durchblutungsstörungen, bspw. als Folge einer Arteriosklerose oder bei Diabetes mellitus.
  • Infektionen, die den Allgemeinzustand des Patienten schwächen und durch Fieber und vermehrtes Schwitzen die Haut belasten.
  • Mangelernährung und Dehydration (mangelnde Flüssigkeitsaufnahme).
  • Belastungen der Haut bspw. durch Trockenheit, Neurodermitis, Inkontinenz oder Allergien.
  • Harte Auflageflächen wie ungeeignete Matratzen oder Sitzflächen.
  • Katheter und Sonden, die dauerhaft auf eine Hautstelle Druck ausüben.
  • Hohes Lebensalter.

Krankheitsbilder, welche in erhöhtem Maße die oben beschriebenen Risikofaktoren hervorrufen oder begünstigen, sind insbesondere:

Welche Symptome zeigen einen Dekubitus an?

Druckgeschwüre zählen zu den chronischen Wunden. Die Schweregrade werden in der Regel nach einem bestimmten Klassifikationssystem ermittelt, dem EPUAP (European Pressure Ulcer Advisory Panel). Grundsätzlich gilt – je tiefer die Wunde, desto höher der Grad des Dekubitus. Es gibt vier Dekubituskategorien:

Grade Beschreibung
Dekubitus Grad I Gerötete Haut, die auch nach Druckausübung auf die betroffene Stelle nicht verschwindet. Weitere mögliche Anzeichen sind Ödeme. Der betroffene Bereich kann härter, weicher, wärmer, kälter oder schmerzhafter sein als das umliegende Gewebe.
Dekubitus Grad II Teilverlust der Haut. Es können Blasen, Hautabschürfungen oder flache Geschwüre entstehen.
Dekubitus Grad III Verlust aller Hautschichten an der betroffenen Stelle. Subkutanes (unter der Haut liegendes) Fett kann sichtbar sein. Der Dekubitus zeigt sich als tiefes, offenes Geschwür.
Dekubitus Grad IV Verlust aller Hautschichten. Knochen, Sehnen und Muskeln liegen frei. Gewebsnekrose oder Schädigung von Muskeln, Knochen sowie Sehnen, und Gelenkkapseln.
Dekubitus-Grade im Überblick
Dekubitus-Grade im Überblick

Wie kann ein Dekubitus erkannt werden?

Rötungen an gefährdeten Körperstellen sind Alarmsignale. Je früher ein Dekubitus entdeckt wird, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu verhindern.

Eine gründliche Wundanamnese (professionelle Erfragung von medizinisch relevanten Informationen durch Fachpersonal) ist die Grundlage einer erfolgreichen Therapie des Dekubitus. Folgende Aspekte sollte der Therapeut hierbei berücksichtigen:

  • Alter des Patienten.
  • Alter der Wunde.
  • Lokalisation der Wunde.
  • Ursachen des Druckgeschwürs feststellen.
  • Untersuchung der Wunde nach:
    • Größe (Länge, Breite, Tiefe)
    • Taschenbildung und Fistelung
    • Wundrand und –umgebung
    • Exsudatmenge
    • Wundgeruch und Schmerzen
    • Anzeichen für Infektionen
    • Beschreibung der Wundheilungsphase (Exsudation, Granulation oder Epithelisierung)
  • Weitere Untersuchungen wie Abstriche und Blutanalysen insbesondere, wenn der Verdacht auf eine Infektion der Wunde besteht.

Darüber hinaus sollte sich der Therapeut ein Bild vom darüber hinaus gehenden Patientenstatus machen. Hierzu gehören insbesondere die oben beschriebenen Risikofaktoren.

Wie wird ein Dekubitus therapiert?

Unter der Therapie einer chronischen Wunde wird auch die komplette Wundversorgung verstanden. Die optimale Wundversorgung baut auf folgenden Pfeilern auf:

  • Kausaltherapie: Die Ursache der Wundheilungsstörung muss gefunden und behoben werden, um die Heilung der Wunde grundsätzlich zu ermöglichen.
  • Lokaltherapie bestehend aus phasengerechter Wundversorgung und systemischer Therapie. Berücksichtigt werden dabei alle individuellen Faktoren des Patienten, die eine Heilung stören bzw. fördern können. Hierzu zählen vor allem Arzneimittel, Alter, Schmerzempfinden, psychische Verfassung und Mobilität.

Die phasengerechte Wundversorgung richtet sich bei Wundreinigung (Debridement), Wundfüllung, Wundauflage und Fixierung nach der jeweiligen Wundheilungsphase.

Mittels einer optimalen Wundversorgung werden im Rahmen der Lokaltherapie die Grundlagen dafür geschaffen, dass die chronische Wunde abheilen kann. Zu der lokalen Behandlung der Wunde gehören insbesondere: