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Dekubitusprophylaxe

Im Überblick

  • Die Heilung eines Dekubitus bzw. eines Druckgeschwürs kann viele Wochen und Monate dauern
  • Für die Patienten ist es eine sehr schmerzhafte und belastende Zeit
  • Am besten ist es, wenn Druckgeschwüre und offene Wunden erst gar nicht entstehen
  • Diese Mittel helfen, einem Dekubitus vorzubeugen: Einschätzung des Risikos, Bewegung und Positionierung, Druckentlastung, eine ausgewogene Ernährung und eine gute Hautpflege.

Wie lässt sich ein Dekubitus-Risiko früh erkennen?

Das A und O der Prophylaxe ist es, das Risiko eines Patienten für einen Dekubitus richtig einzuschätzen.

Natürlich können viele Faktoren das Auftreten von Druckgeschwüren begünstigen. Aber das größte Risiko hat ein Patient, wenn seine Fähigkeit schwindet, sich selbständig zu bewegen und einen Lagewechsel vorzunehmen. Als erstes sollten Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige sich daher folgende Fragen stellen:

  • Wie aktiv ist der Patient - inwieweit kann er sich von Ort zu Ort bewegen?
  • Wie mobil ist der Patient - inwieweit kann er seinen Körper an einem bestimmten Ort bewegen (im Bett oder auf dem Stuhl)?
  • Welche externen Faktoren lösen Druck aus (z.B. Sonden, Verbände, Katheter)?
  • Erkennen Pflegekräfte nach einer solchen Untersuchung ein Risiko für die Entstehung eines Druckgeschwüres, erfolgt als zweiter Schritt die klinische Beurteilung sowie eine sorgfältige Kontrolle der gefährdeten Hautstellen.

Wie funktioniert Dekubitusprophylaxe?

Im Rahmen der Dekubitusprophylaxe geht es darum, einen Dekubitus zu vermeiden. Folgende vier Maßnahmenbereiche sind sinnvoll:

1. Positionswechsel

Solange es möglich ist, sollten Pflegebedürftige ermuntert werden, sich selbst zu bewegen. Schon kleinste Verlagerungen helfen, Druck von einer Körperregion zu nehmen.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Patienten längere Zeit sitzen. Das Risiko eines Dekubitus ist hier besonders hoch, weil im Sitzen mehr Druck auf dem Körper lastet.

Auch Bewegungsübungen mit Physiotherapeuten und Pflegenden tragen dazu bei, länger mobil zu bleiben. Zudem sollten Patienten ihre „geistige“ Mobilität fördern, zum Beispiel mit Gesprächen, Lesen, Radio hören usw.

Umlagern oder richtig lagern waren früher übliche Ausdrücke, wenn bettlägerige Patienten bewegt werden sollten. Viel besser ist der Begriff Positionierung, denn das Wort „Lagerung“ macht Patienten zu einem Gegenstand. Beide Begriffe meinen aber dasselbe: Patienten sollen immer wieder in verschiedene Position gebracht werden, um Druck von gefährdeten Körperstellen zu nehmen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel:

  • 30 ° -Positionierung:

Ein flaches Kissen wird rechts oder links entlang der Wirbelsäule unter den Rücken gelegt. Ein zweites Kissen liegt auf der gleichen Seite zwischen den Oberschenkeln. Nach einer bestimmten Zeit wird die Seite gewechselt.

  • 135 ° -Positionierung:

Der Patient liegt auf dem Bauch. Zwei Kissen liegen seitlich unter dem Oberkörper und der unteren Körperhälfte. Diese Position bietet sich an, wenn bereits Druckgeschwüre im Bereich des Steißbeins vorhanden sind.

  • Freie Positionierung (Freilagerung):

Die betroffene Körperstelle, meist die Ferse, wird mit einem Handtuch oder einem Kissen höher gelagert. Allerdings dürfen keine Körperstellen extrem belastet bzw. einem Druck ausgesetzt werden, der die Blutzirkulation beeinträchtigt.

  • Mikrolagerung:

Die Positionen der Patienten werden mit dieser Methode nur minimal verändert. Geeignete Hilfsmittel sind Kissen, Handtücher oder dünne Bettdecken. Ein gefaltetes Handtuch kann zum Beispiel unter die Schulter geschoben und dann langsam von Zeit zu Zeit bis zum Becken hinunter gezogen werden.

2. Hilfsmittel zur Druckentlastung

Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die Druck vom Körper nehmen oder den Druck auf eine größere Fläche verteilen. Sie werden nicht nur eingesetzt, wenn schon ein Druckgeschwür vorliegt, sondern auch, wenn Patienten gefährdet sind, einen Dekubitus zu bekommen.

  • Sitzkissen, auch für Rollstuhlfahrer, vermindern den Druck auf Gesäß und Oberschenkel
  • Weichlagerungs-Systeme wie Schaumstoffmatratzen, Gelauflagen, Luftkissen
  • Wechseldruck-Systeme (Wechseldruck-Matratzen). Die Luftkissen einer Matratze werden abwechselnd mit Luft aufgepumpt.
  • Micro-Stimulations-Systeme (MiS) werden elektrisch gesteuert und unterstützen durch kleine Bewegungen die Eigenbewegung des Patienten. Das fördert die Durchblutung, so dass Druckgeschwüre nicht entstehen, aber auch bestehende Geschwüre schneller heilen können

3. Hautschutz

Je gesünder und elastischer die Haut ist, desto besser sind Patienten vor einem Dekubitus geschützt. Allerdings verändert sich die Haut im Alter und bei einigen schweren Erkrankungen - sie wird spröde und trocken. Pflegende müssen die Haut solcher Patienten regelmäßig untersuchen und gut pflegen, um Druckgeschwüren vorzubeugen. Dabei verwenden sie in der Regel milde und ph-neutrale Hautprodukte.

  • Bei trockener Haut sind besonders Wasser-in-Öl Präparate zu empfehlen. In ihnen sind Bestandteile wie Colagen, Urea und Elastin enthalten, die Wasser speichern können
  • Es sollten möglichst keine oder nur wenig parfümierte Produkte benutzt werden, um „problematische“ Hautstellen nicht zu belasten
  • Sogenannte transparente Hautschutzfilme, zum Beispiel auf Acrylat-Copolymer-Basis können die Haut einige Tage vor Feuchtigkeit durch Urin oder Stuhl schützen

Pflegekräfte wissen natürlich, dass sich mit Cremes und Salben allein keine Druckgeschwüre verhindern lassen. Bei einer guten Hautpflege leiden Patienten aber weniger unter Juckreiz und es entstehen seltener wunde Stellen. Und nicht zuletzt kann sie dazu beitragen, dass sich Patienten wieder wohler fühlen.

4. Gesunde Ernährung

Auch wenn Patienten ausreichend trinken und essen, können sie an Dekubitus erkranken. Eine ausgewogene Ernährung hat trotzdem viele positive Wirkungen. Denn Mangelernährung oder ein schlechter Hautzustand, der durch einseitige Ernährung verursacht wurde, fördern die Entstehung von Druckgeschwüren. Patienten brauchen aber auch bestimmte Vitamine und Mineralstoffe, damit ihre Wunden heilen können. Wichtig sind hier vor allem die Vitamine A, B, C und K sowie die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Zink, Eisen und Magnesium. Wer also mäßig, aber regelmäßig bestimmte Mineralstoffe und Vitamine zu sich nimmt, ernährt sich sowohl gesund als auch abwechslungsreich.