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Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

Im Überblick

  • Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, abgekürzt PAVK, wird auch Schaufensterkrankheit genannt
  • Hinter der PAVK steckt eine Arteriosklerose (verkalkte Arterien), die die Arterien in der „Peripherie“ betrifft, nämlich Becken und Beine. Hauptsymptom sind Schmerzen in den Beinen
  • Eine PAVK kann zu einer Chronischen Wunde in Form des sogenannten Ulcus cruris arteriosum führen
  • Gehtraining steht im Zentrum der Therapie

Was ist eine PAVK und was sind die Ursachen?

Schaufensterkrankheit – so wird die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) oft verharmlosend genannt. Die Beine schmerzen beim Gehen, so dass die Betroffenen öfters stehen bleiben müssen – zum Beispiel vor einem Schaufenster – und warten, bis die Schmerzen abgeklungen sind. Ursache für die Schmerzen bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit sind verkalkte Arterien (Arteriosklerose) in Becken und Beinen. An den Gefäßwänden haben sich Ablagerungen von Kalk, Blutzellen und Fett gebildet, auch Plaques genannt, die die Adern verengen und sogar ganz verstopfen. Die Bereiche unterhalb der Engstellen werden in der Folge nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und beginnen zu schmerzen. Ist also eine Oberschenkelarterie betroffen, tun die Waden weh, ähnlich wie bei einem Muskelkater. Ist ein Gefäß im Unterschenkel verstopft, zeigen sich Beschwerden an den Füßen.

Schemaskizze periphere arterielle Verschlusskrankheit
Schemaskizze periphere arterielle Verschlusskrankheit

Welche Folgen kann eine PAVK haben?

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist aus zwei Gründen gefährlich:

  1. Die Plaques können aufbrechen, sodass ein Blutgerinnsel (Thrombus) entsteht. Das Gerinnsel kann sich lösen und eine Arterie an einer anderen Stelle blockieren, zum Beispiel im Herzen oder Gehirn. Betroffene mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit haben ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  2. Die Unterversorgung kann dazu führen, dass ein offenes Bein entsteht, in der Fachsprache Ulcus cruris genannt. Bei einem Ulcus cruris im Rahmen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK) kann Gewebe sogar absterben (Nekrose, Gangrän), sodass im schlimmsten Fall Zeh, Fuß oder Unterschenkel amputiert werden muss.

Bei der chronischen Wunde am Unterschenkel im Rahmen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK) handelt es sich um ein Ulcus cruris arteriosum – im Unterschied zum Ulcus cruris venosum. Das Ulcus cruris venosum ist ein Geschwür, das auf die chronisch-venöse Insuffizienz zurückgeht. Es kann auch sein, dass sowohl die periphere arterielle Verschlusskrankheit als auch die chronisch-venöse Insuffizienz an der Entstehung eines Geschwürs beteiligt sind, dann spricht man von einem Ulcus cruris mixtum. Engstellen an Unterschenkel, Fuß und Zehen finden sich zudem häufiger bei Patienten mit Diabetes mellitus. Hier mischt sich also ein Ulcus cruris arteriosum mit einem Diabetischen Fuß.

Welche Symptome treten bei einer PAVK auf?

Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. weist auf folgende Alarmzeichen hin. Bei diesen Beschwerden sollten Sie deshalb so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen:

  • Schmerzen beim Gehen in Wade, Oberschenkel oder Gesäß. Die Gehstrecke verkürzt sich.
  • Kühle, bleiche und marmoriert aussehende Haut
  • Kleine Wunden heilen schlecht
  • Trockene Haut der Beine und Füße
  • Starke Verhornung der Fußsohlen
  • Ungewöhnlich langsam wachsende Fußnägel
  • Beinbehaarung geht verloren
  • Erektionsstörungen

Weniger als die Hälfte der über 65-Jährigen, die gelegentlich Beinbeschwerden haben, gehen zum Arzt, beklagt die Fachgesellschaft. Doch um die gefährlichen Folgen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit zu verhindern, heißt es, frühzeitig mit der Therapie (vor allem Gehtraining, siehe unten) zu beginnen.

Wie wird eine PAVK diagnostiziert?

Es gibt eine einfache Untersuchung, die sehr treffsicher ist, auch wenn noch keine oder kaum Beschwerden vorliegen: der Knöchel-Arm-Index. Dabei misst der Arzt den Blutdruck an beiden Füßen und Oberarmen mit einer Ultraschallsonde (auch Dopplerdruckmessung genannt) und vergleicht dann die systolischen, also oberen Blutdruckwerte. Und zwar, indem er den systolischen Blutdruck am Knöchel durch den systolischen Blutdruck am Arm dividiert. Sind die Gefäße gesund, sind die Werte annähernd gleich, das Ergebnis liegt also bei etwa 1,0. Fällt der Wert kleiner als 0,9 aus, sollte ein Gefäßmediziner weitere Untersuchungen veranlassen. Dazu gehört vor allem ein Ultraschall der Gefäße: Damit lassen sich Verengungen und Verschlüsse so gut erkennen, dass ein Röntgen mit Kontrastmitteln, eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomografie meist nicht nötig ist.

Hat der Arzt eine periphere arterielle Verschlusskrankheit diagnostiziert, wird er voraussichtlich auch das gesamte Herz-Kreislauf-System untersuchen. Denn eine periphere arterielle Verschlusskrankheit gilt als „Marker-Erkrankung“: Das heißt, sind die Arterien in Becken und Beinen verkalkt, ist es wahrscheinlich, dass auch die Arterien im Herzen oder die hirnversorgenden Arterien durch Ablagerungen verengt sind. Es besteht die Gefahr von Durchblutungsstörungen im Herzen und Gehirn, sprich: Herzinfarkt und Schlaganfall. Ist eine PAVK frühzeitig erkannt, können Patienten gegensteuern.

Wie sieht die Therapie aus?

Bei der Therapie ist die Mitwirkung der Patientinnen und Patienten gefragt! Denn es geht zunächst darum, die Risikofaktoren in den Griff zu bekommen, wie Rauchen, erhöhten Blutdruck, zu hohe Blutfettwerte, Bewegungsmangel und Übergewicht. Auch zu hohe Blutzuckerwerte gefährden die Gefäße. Menschen mit einem Diabetes mellitus leiden deshalb häufiger an Arteriosklerose – auch in den Beinen: Häufig ist ein Ulcus cruris arteriosum mit einem diabetischen Fuß verbunden. Diese schweren Folgen lassen sich durch eine gute Einstellung des Blutzuckers verhindern oder eindämmen.

Gehtraining ist bei einer PAVK unverzichtbar. Es ist wichtiger als andere Therapiemaßnahmen und ist durch keine andere Sportart zu ersetzen, betont die Stiftung Warentest. Je konsequenter Sie täglich gehen, desto wirksamer ist das Training– insbesondere bei Patienten, die noch keinen Ruheschmerz haben. Ein Gehtraining kann die schmerzfreie Gehstrecke verlängern. Denn dabei passiert ein kleines Wunder: Durch den erhöhten Sauerstoffbedarf der Muskulatur bilden sich Umgehungsgefäße um die Engstelle herum, sodass sich die Durchblutung verbessert. Das Training erfolgt in Intervallen und funktioniert so:

  • Gehen Sie möglichst zügig, bis Sie ein schmerzhaftes Spannungsgefühl in den Beinen wahrnehmen. Gehen Sie aber nicht so lange, dass die Schmerzen zu stark werden.
  • Machen Sie eine kurze Pause, bis die Schmerzen wieder abgeklungen sind.
  • Setzen Sie sich wieder in Bewegung, bis Sie leichte Schmerzen verspüren.
  • Wiederholen Sie das Ganze 20 bis 30 Minuten lang, zwei- bis dreimal täglich.

Zudem können Medikamente helfen, die die Durchblutung verbessern. Mit Hilfe eines Ballonkatheters, der durch die Beinschlagader bis zur Engstelle geschoben und dort aufgeblasen wird, kann die Verengung beseitigt werden. Bei größeren Verschlüssen wird zusätzlich ein Stent gelegt – ein flexibles Drahtnetz, das das Gefäß offenhalten soll. Wenn Wunden partout nicht heilen wollen, die schmerzfreie Gehstrecke nur noch sehr kurz und eine Kathetertherapie nicht möglich ist, kann die verengte Arterie auch durch eine Operation wiedereröffnet werden oder es wird eine Umleitung (ein Bypass) gelegt. Dafür wird eine körpereigene Vene oder ein Kunststoffschlauch verwendet.

Neben der bis hierhin beschriebenen Kausaltherapie geht es auch um eine Lokaltherapie, wenn bereits ein Ulcus cruris entstanden ist. Damit ist eine gute Wundversorgung gemeint, die sich nach den verschiedenen Wundheilungsphasen richtet, nämlich Exsudation, Granulation und Epithelisierung. Um die Wunde richtig beurteilen und mit einem geeigneten Wundverband versorgen zu können, muss die Wunde anfangs gereinigt werden. Bei dieser Wundtoilette (Débridement) entfernt die Fachkraft abgestorbenes oder infiziertes Gewebe, Schorf, Eiter und sonstige Wundbeläge, die die Heilung beeinträchtigen können.

Weiterführende Informationen

  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.
  • Anke Nolte: Bluthochdruck. Vorbeugen, erkennen, behandeln. Herausgegeben von der Stiftung Warentest, Berlin, 3. aktualisierte Auflage 2016